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Aktuelles

Politik darf nicht abheben – und ich auch nicht.

By 23. November 2025No Comments

Wenn ich eines in meinen Jahren als Aktivist, Stadtrat und jetzt als Bundestagsabgeordneter gelernt habe, dann das: Abgehobene Gehälter führen zu abgehobener Politik. Und daran möchte ich mich nicht beteiligen. Ich will Politik machen, die bei den Menschen bleibt – Seite an Seite, nicht über ihre Köpfe hinweg. Deshalb habe ich mein Abgeordnetengehalt auf das Niveau eines Facharbeiters gedeckelt und zahle den Rest in einen Sozialfonds ein. Zusätzlich bieten mein Team und ich Sprechstunden in unserem Büro an.

Warum wir das machen? Weil wir uns nicht von den Lebensrealitäten der Menschen entfernen wollen, weil wir konkret helfen möchten und weil wir den Menschen wieder Hoffnung auf eine gemeinsame und solidarische Zukunft geben wollen – eine Zukunft, die wir gemeinsam erkämpfen können. Ich möchte mit euch ein paar Geschichten teilen.

Zum Schulstart haben wir 20-Euro-Gutscheine verteilt – kein großer Betrag, aber manchmal genau das, was Menschen brauchen. Anja arbeitet in einer Unterkunft für wohnungslose Jugendliche. Als sie die Gutscheine für „ihre“ Jugendlichen abgeholt hat, leuchteten ihre Augen – endlich etwas, das sie direkt weitergeben kann. Oder Alex, alleinerziehend mit zwei Kindern. Für sie bedeuten diese Gutscheine nicht nur ein Stück finanzielle Entlastung, sondern auch das Gefühl, gesehen zu werden.

Zweimal die Woche steht unsere Tür offen. Ohne Anmeldung, ohne Bürokratie. Und die Geschichten, die zu uns kommen, sind manchmal kaum auszuhalten.

Da ist Maher. Seit zehn Jahren in Deutschland, seit vier Jahren Staatsbürger. Er arbeitet als Übersetzer beim BAMF und in der IT – und trotzdem sollte er seinen Familiennachzug aufgeben, weil die Ausländerbehörde seine Heiratsdokumente missverstanden hat. Wir haben telefoniert, gedrängelt, Botschaften und Behörden genervt. Am Ende kamen die Dokumente – und nun wird seine Frau endlich zu ihm kommen. Wir planen eine Willkommensfeier. Und ich kann euch sagen: Dieser Moment gibt Kraft.

Oder Nengeh, die am Monatsende nicht einmal das Mensaessen für ihre Tochter zahlen konnte. Wir haben übernommen – unbürokratisch und sofort. Fabio, der in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeitet und beim Wohngeldantrag fast verzweifelt wäre. Manfred, der seit 40 Jahren zu viel Nebenkosten zahlt und es nie gewagt hat, sich zu wehren. Anastasiia, deren Aufenthalt und Arbeitsvertrag sich gegenseitig blockieren – ein kafkaesker Albtraum, der sie jede Nacht belastet. Ein Anwalt aus unserem Netzwerk unterstützt sie jetzt.

Und dann sind da Menschen, die einfach nicht mehr weiterwissen: Giovanni, der seine Medikamente nicht bezahlen konnte. Eine ältere Frau, die sich nicht einmal die Taxifahrt zum Zahnarzt leisten konnte. Wir sind eingesprungen.

Besonders bewegt hat mich Meryem. Dreimal ohne Fahrkarte erwischt – und plötzlich sitzt sie im Gefängnis. Ein paar Hundert Euro fehlten, und daraus wurden Monate Haft. Wir haben sie mit 1.800 Euro aus dem Sozialfonds freigekauft, ihr Kleidung besorgt, Essen, ein Ticket. Als wir ihr die Sachen brachten, ist sie uns in die Arme gefallen. Ihr Partner war über Facetime dabei. „Ich hab’s dir doch gesagt, da kommt jemand!“, hat sie immer wieder gesagt. In dieser politisch vergifteten Zeit ist Solidarität manchmal fast ein Schock. Für viele aber ein Rettungsanker.

Solange solche Geschichten die Realität sind, will ich mit euch zusammen daran arbeiten, diese Gesellschaft zu verändern – und lade alle ein, mitzumachen.

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