
Nach der Sommerpause war ich in den vergangenen Wochen viel in Betrieben in Stuttgart und der Region unterwegs. Ich wollte von den Kolleginnen und Kollegen selbst hören, wo der Schuh drückt. Und das Bild ist eindeutig. Die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz ist groß, die Wut über die Konzernvorstände auch.
Ich war erneut bei den Kollegen von Bosch in Waiblingen. Dort stellt Bosch bis spätestens 2028 die Produktion der Verbindungstechnik ein, rund 560 Beschäftigte sind betroffen. Der Standort hätte eine Zukunft haben können, wenn Bosch bereit gewesen wäre, sie aktiv zu gestalten. Auch mit den Kolleginnen und Kollegen in Schwieberdingen und im Werk Feuerbach habe ich mich ausgetauscht. Bosch baut in der Mobility-Sparte bundesweit rund 22.000 Stellen ab, Feuerbach und Schwieberdingen trifft es besonders hart.
Bei Mercedes habe ich Beschäftigte aus verschiedenen Werken getroffen. Am 21. September war ich beim Aktionstag der IG Metall in Untertürkheim dabei. Bundesweit haben sich rund 175.000 Beschäftigte an über 280 Orten unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ beteiligt, allein im Südwesten rund 48.000. In Sindelfingen waren es rund 20.000, in Untertürkheim über 5.000. Nur zwei Tage später hat der Mercedes-Vorstand offen mit der Schließung von zwei deutschen Werken gedroht, falls die Kosten nicht deutlich sinken. Gleichzeitig verlangt der Konzern längere Arbeitszeiten. Das ist eine Erpressung der Belegschaften. Die Krise ist zu großen Teilen hausgemacht, weil die Vorstände reihenweise falsche Entscheidungen getroffen haben, während Milliarden an die Aktionäre fließen.
Beim Austausch mit dem Betriebsrat von Audi ging es um die gleichen Fragen. Bei Audi in Neckarsulm haben sich am Aktionstag über 6.000 Beschäftigte beteiligt. Aber es geht nicht nur um die Autoindustrie. Auf der Betriebsversammlung der Post im Kundenservice, in den Gesprächen mit Beschäftigten im Klinikum und im Austausch mit der NGG Südwest wurde deutlich, wie sehr Arbeitsverdichtung und steigende Lebenshaltungskosten die Menschen belasten.
Für uns als Linke ist klar, was jetzt passieren muss.
- Keine Werksschließungen und keine Verlagerungen.
- Werke, die von der Schließung bedroht sind, müssen in öffentliche Hand und unter die Kontrolle der Beschäftigten. Sie wissen am besten, was dort produziert werden kann.
- Hände weg vom Achtstundentag und von der 35-Stunden-Woche. Längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich lehnen wir ab.
- Keine Dividenden und Boni, solange Stellen abgebaut werden.
- Investitionen in Industrie, Pflege, Gesundheit und Infrastruktur statt Milliarden für Aufrüstung, finanziert durch eine gerechte Besteuerung großer Vermögen.
Die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben haben diese Krise nicht verursacht. Sie dürfen nicht die Zeche dafür zahlen. Ich werde weiter in den Betrieben unterwegs sein und an ihrer Seite stehen, im Bundestag und auf der Straße.
